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Kondolenzen

Ich habe mich hier lange nicht gemeldet. Und das hatte seine Gründe.Ich habe mich hier lange nicht gemeldet. Und das hatte seine Gründe.

Eigentlich hatte ich sogar überlegt mit dem bloggen aufzuhören, aber ich stelle fest, dass es mir fehlt. 

Es gibt einfach Dinge, die ich aufschreiben muss...

Erst hatte ich das Gefühl, dass alles besser wird. Das Essen viel leichter, ich hasse meinen Körper zwar nach wie vor, aber ich kann essen ohne zu kotzen, ich habe ein Hungergefühl.

Ich habe meine Hunde, meine Familie. Mit meinem Vater läuft es besser, seit er aus der Klinik wieder da ist. 

Ich habe einen Mann kennen gelernt, der mir Kraft gibt, an den ich mich anlehnen kann, den ich liebe. 

Und ohne ihn wüsste ich schon nicht mehr wohin. 

Es war alles in Ordnung. 

Bisher dachte ich, es sei ein Schlag in die Fresse essen zu müssen, zuzunehmen, schlechte Noten zu schreiben. 

Aber der richtige Schlag ins Gesicht der Seele ist der Tod. Er lässt dich den Schmerz (vorerst) kaum spüren. 

Er haut dich einfach auf den Boden und du kannst nicht aufstehen,  nicht atmen. Die Zeit steht still. 

Und dann langsam rammt er seine Hand in deine Eingeweinde, deine Seele, dein Herz. 

Und du fühlst wieder. 

Trauer und Schmerzen. 

Und du weinst und weinst und weinst. Und kannst es nicht glauben. Du willst es nicht glauben. 

Und dann kannst du nicht mehr weinen, du bist leer. 

So leer.

Ich wollte zur Arbeit gehen, ganz normal, nach der Schule, wie immer.

Mein Handy hat geklingelt. Nicht ungewöhnlich. Meine Mutter saß mit einer Bekannten im Garten.

Und was hatte mir das Plastikding zu sagen?

K. ist tot. Motorradunfall. 24 Jahre. Ein guter Freund. Sohn, Bruder. 

Ein wunderbares Lächeln. Einer der wenigen Menschen von denen man auch gesagt hat sie seien gut als sie noch gelebt haben und nicht erst danach, wenn ohnehin jeder ein "Heiliger" ist. 

Ich habe ihn nicht lange gekannt, aber er ist mir unter die Haut gegangen. 

Er war risikofreudig, lebte intensiv und schnell. ZU schnell. Er wollte der Held sein. Und er hat gelacht dabei. 

Ich verstehe das. Dieser Kick ist unglaublich, ich kann es ihm nicht übel nehmen, aber ich vermisse ihn. 

Ich fuhr zur Leichenhalle. Im Sarg hat er noch gelächelt. 

Ich musste ihn mir ansehen um zu verstehen, dass es kein geschmackloser Scherz ist.

Und ich sage euch, Tote sehen nicht aus als schliefen sie. Man sieht, dass das Leben gewichen ist. Es ist nur noch die Hülle- dennoch das Lächeln schien so echt.  

Sie sagen, er sei so schnell gestorben, dass er nichts spüren konnte. 

Aber stimmt das?

Mit seiner Kawasaki ist er 25 Meter durch die Luft gesegelt, da ist eine riesige Bremsspur und Blut an der Unfallstelle. 

Und ein Meer aus Blumen. 

Genau wie sein Grab. 

Kleine Herzen, viele Blumen, Kerzen, Briefe, man sieht die Erde nicht. 

Und immer hat er Besuch. 

Mein Freund und ich wir klauen ihm Sonnenblumen. 

Der Tod steht schneinbar direkt neben einem. Es kann jederzeit passieren. 

Das Leben ist nicht selbstverständlich. Ich mache mir Sorgen, wenn Freunde sich länger nicht melden, oder meine Eltern. Es ist nichts garantiert. 

Ich hab das alles noch nicht verarbeitet. 

 Dann musste mein Onkel in eine Klinik. Selbstmordgefahr. Nach einer Zwangsfändung wollte er sich umbringen. Seine Katze hat er schon vor unserer Tür abgesetzt. Meine Mutter hat es zum Glück gemerkt.

Ich dachte nur, zum Glück lebt er. Denn das ist nicht garantiert. 

Kurze Zeit später: 

Ich komme nach Hause, nach einem wunderschönen Urlaub mit meinem Freund (von dem ich noch schreiben werde, weil es etwas glückliches ist) und erfahre, dass ein Junge aus unserer Siedlung tot ist. 

Ich hab eine ganze Zeit auf ihn aufgepasst, das ist schon etwas her. 

Er ist morgens einfach nicht aufgewacht. 10 Jahre. Und die Wohnung in der er mal gewohnt hat ist jetzt unsere. Mein Zimmer ist sein altes. 

Auch wenn er in einer anderen Wohnung starb ist das ein komisches Gefühl.

Warum muss das sein?

Ich will den Tod nicht mehr in meiner Nähe haben. 

Wer ist als nächstes dran?

Ich könnte jederzeit weinen. 

Ich weiß nicht, wie ich den ganzen Stress handhaben muss. 

Ich brauche Geld, muss Schule und Job unter einen Hut kriegen. 

Meinen Freund will ich noch sehen. Dazu brauche ich Kraft. 

UNd das Verhältnis zu meinem Körper, das wieder schlimmer wird, macht es nicht leichter. 

Ich weiß nicht, wie ich das packen soll.

Wie viel kann ein Mensch ertragen, vie viel kann ich noch vertragen?

Ich weiß es nicht.

Aber ich kann nur vorwärts. Wenn ich stehenbliebe und morgen stürbe...was sollte ich denn dann sagen?

K. hat jeden Atemzug genossen. Ich weiß nicht wie. Aber wenn ich sterben muss, dann nicht im Stillstand.

Und trotzdem bin ich traurig. Fast immer. Und mutlos. Ich denke mir, dass ich lieber sterben will, als noch eine Person, die mir nahe steht. 

Aber es ist ja nichts garantiert. 

Auch nicht, dass ich morgen dran bin. 

Oder ein anderer Geliebter. 

Und das ist doch gut, oder?

Es ist nicht viel. Aber man kann daran anknüpfen. 

 

Und irgendwer muss K. doch Sonnenblumen bringen. 


1 Kommentar 26.10.09 18:58, kommentieren