Die Kunst des Wehklagens

Gemeine Geschenke

Es ist doch alles nur gut gemeint und ich weiß das.

Der Schokonikolaus von Eulchen und der Lebkuchenmann von meinen Eltern...alles Mitbringsel, weil sie mich lieb haben. 

Aber ich wünschte, sie würden mir- wenn es schon etwas sein muss- nichts Süßes, generell nichts zu essen, schenken. 

Ich nehme ohnehin nicht gerne Geschenke an, weil ich dann das Gefühl habe jemandem etwas zu schulden...noch schlechter fühle ich mich, wenn ich diese Geschenke nicht würdigen kann.

Ich kann diesen Schokoladenmann nicht essen, genauso wenig wie seinen Freund aus Lebkuchen. 

Ich kann Ewigkeiten vor ihnen sitzen und sie anstarren, ich stelle mir ihren Geschmack vor und rieche sie, aber ich kann sie nicht essen.

Manchmal versuche ich mich dazu zu zwingen, damit meine Lieben nichts merken und weiter unbesorgt sein können. 

 Aber ich fühle mich schlecht dabei, richtig schlecht.

Und ich fühle mich schlecht, wenn ich sie vor den Kopf stoße und die Gabe nicht essen kann

Ich hasse den missbilligenden Ausdruck auf meinem Gesicht, wenn ich meine Mutter das Essen zubereiten sehe...wie sie Sahne dazugibt ud Käse. 

Ich zähle keine Kalorien, weil ich Angst vor dem Ergebnis habe, ich versuche einfach nicht zu essen. 

Und ich kann einfach nicht mehr. 

Ich möchte schlafen, schlafen, lange schlafen und an nichts denken müssen.

Ich will endlich Ruhe. 

Ich will kein Essen mehr sehen müssen, ich will es nicht riechen müsse und schon gar nicht will ich es essen müssen. 

Ich will keine Leistungen mehr bringen müssen, ich will mich nicht mehr rechtfertigen und verstecken müssen. 

Ich will nicht jeden Tag mein Spiegelbild hassen müssen. 

Ich stelle mir Essen vor, aber ich kann es nicht essen. Mir ist so schlecht danach. 

Kinderriegel, Weihnachtsmänner, Nougatkugeln, Baumkuchen, Milcheis...es geht nicht.

Auch wenn ich wenig gegessen habe, es kommt mir immer zuviel vor. 

Immer.

Obwohl ich es in meiner Phantasie schmecken kann. 

In meiner Phantasie erlaube ich es mir. 

Aber hier ist die Realität. 

 

 

8.12.08 18:12, kommentieren

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Die Leichtigkeit des Seins.

Ich fühle mich geschlaucht. Leer. Und doch so wütend.

Die Prüfung heute hat in mir dieses Gefühl gesäät unfähig zu sein.

Es lief doch eigentlich nicht schlecht. Aber es hätte besser sein können, besser sein sollen.

Wozu diese Anstrengungen, wenn es sich nicht zu lohnen scheint. 

Aber aufzuhören ist Schwäche und die gestehe ich mir zu oft ein. 

Und jedesmal danach möchte ich es aus mir herauspumpen, dieses nagende Gefühl, dass ich mich wieder selber hinters Licht geführt habe. 

Ich weiß nicht, wer oder was ich bin. 

Ein kleines Mädchen, dass nach Aufmerksamkeit schreit, sich selber einredet den Wunsch nach Perfektion zu haben, sich aber nie an selbstgesetzte Vorschriften hält, weil es eigentlich weiß, dass es  mental gesund ist?

Normal. Nicht besonders. 

Oder jemand der wirklich Probleme hat und sie sich nicht nur einbildet?

Ich bekomme jedes Mal den Wunsch zu hungern, wenn es nicht so läuft, wie ich es geplant habe, wenn es sich meiner Kontrolle entzieht und ich nur noch diese schönen, schlanken Frauen sehe und mir denke: 

Wenn du wenigstens schön wärest, wäre es vielleicht nicht so schlimm. 

Und es kann nicht schnell genug gehen...ich habe keine Geduld und werde umso wütender. 

Dann esse ich wieder und sehe in den Spiegel.

Für zwei Tage ist es okay und dann beginnt der Hass auf das gläserne Objekt erneut oder besser der Hass auf das, was sich darin spiegelt. 

Und ich sehne mich nach der Konsequenz und Disziplin "nein" zu sagen, wenn mir jemand etwas zu essen gibt. 

Aber sie sehen mich so bittend an und ich will sie nicht vor den Kopf stoßen. 

Dann steht mir das Essen bis zum Rand meines Halses aber ich kotze nicht, denn ich will sie nicht verletzen, die Leute um mich herum. 

Ich sehne mich nach einer eigenen Welt in der ich selber bestimme und mein Wunsch nach Harmonie mich nicht davon abhält gegen meinen Willen zu handeln. 

Ich friere so entzentlich doll und hoffe immer noch auf Klarheit in meinem Kopf. 

Ich stehe auf keiner Seite. 

Mein Kopf ist nicht gesund aber krank, das ist er ebenso wenig. 

Ich weiß nicht wo ich stehe, ich weiß nicht, was ich will. 

Ich sehne mich nach der Leichtigkeit von Körper und Geist. 

6.12.08 18:18, kommentieren

Erfolg im Misserfolg?

Hass ist ein wichtiger Punkt in meinem Leben.

Vielleicht ist es auch einfach nur Enttäuschung oder Wut.

Ich lache viel und gerne. Ich bin häufig auch glücklich.

Aber ich habe im Hinterkopf die Angst vor dieser Leere und den nagenden Gedanken.

Das Gefühl nicht gut genug zu sein in dieser Leistungsgesellschaft. Nicht schön genug. Nicht stark genug. Nicht belastbar genug.

Ein normaler Mensch eben, einer der in  der Masse untergeht.

All diese Gedanken und Ängste manifestieren sich im Bereich der Nahrungsaufnahme.

Wenn ich meinen Geist kontrolliere, dann kontrolliere ich auch mein Leben.

Undas dass ich diese Kontrolle nicht erreiche, das frustriert umso mehr.

Manchmal erkenne ich diese Lächerlichkeit jener Gedanken und esse ohne Reue.

Aber lange hält das nie.

Mir wäre ein Extrema in dem ich mich zuhause fühle lieber.

Gegen Magersucht spricht meine Vernunft, die mich zum essen zwingt.

Meine Wünsche wollen, dass ich es lasse.

Heute habe ich wieder verschwindend gering gegessen.

Auf welcher Liste lässt sich das verbuchen?

Erfolg?

Misserfolg?

Vielleicht sogar Nichtigkeit.

Und letztendlich lache ich über jeden solcher Einträge, denn es sind nichts weiter als die Gedanken die zich Leute wahrscheinlich im gleichen Moment haben.

Diese gepflegte Depression, das protzen mit Problemen, ist nur ein weiterer gewöhnlicher Faktor in einer gewöhnlichen Welt voller gewöhnlicher Menschen, die sich danach sehen außergewöhnlich zu sein.

Das ist der Mensch.

Und das bin ich.

Wer bist du?

 

4.12.08 19:25, kommentieren

Die Kunst des Hungerns?

Mann nennt es "Anorexia nervosa" oder "eating Disorder" und stellt namenlose Schicksale hinter diese Wörter.

Vielleicht plakatiert man auch zur Provokation ein abgemagertes Model an die Backsteinwand am Bahnhof.

Ich nenne es Leben. 

Es ist ziemlich frustrierend, wenn man feststellt, dass man im Leben zwei Positionen - oder gar mehr- gleichzeitig einzunehmen scheint.

Essen und Nicht-Essen werden zu Kontrahenten, Schokolade lacht dich an und du hasst dich dafür, dass du zurücklächelst.

Und für diesen Hass hasst du dich dann noch einmal.

Magersucht ist keine Frage des Gewichts.

Ich bin nicht zu dünn, ich esse.

I do fucking eat.

Aber ich hasse mich jedesmal dafür, dass ich es liebe.

Manchmal kann ich fasten über Wochen und dann wieder fressen über Tage.

Ich kotze nie.

Aber ich wünschte ich könnte es.

Mich auskotzen über alles, im wahrsten Sinne des Begriffes den ganzen Ärger ausschwemmen.

Nicht an die Bestandteile des Essens denken, die sich langsam, Stück für Stück, schwammig und fettig auf mir absetzen.

Aber ich tue es.

Ich hasse mich für jeden Bissen und nehme schon den nächsten.

Bis ich wieder faste.

Es ist keine Magersucht, wie sie die Medizin bezeichnet, es ist keine Esstörung im psychologischen Sinne, aber es ist nicht gesund.

Und wer kümmert sich um mein verzerrtes Spiegelbild?

Um den Tod im Kopf, der im Spiegel reflektiert wird?

Denn es geht so vielen Mädchen, sogar Jungen, auf dieser Welt genauso.

Natürlich sind wir alle krank und gestört.

Freaks.

Ist doch ganz leicht sich zu lieben.

Klare Sache.

Ist es nicht.

Was wir anstreben sind Körper wie Elfen ihn haben.

Auch verhalten wollen wir uns so: elegant, graziös, etwas Besonderes.

Man will uns nicht lassen.

Zu Recht, denn wir vergessen eins:

Elfen leben nicht in dieser Welt sie verschwinden.

Allmählich versinken sie in einer anderen Welt.

Es ist ein gefährliches Unterfangen, das Hungern, aber wir brauchen es.

Und wir lieben es.

 

 

4.12.08 19:06, kommentieren

Die Kunst des Wehklagens

Der Titel sagt eigentlich alles.

Diese Kategorie ist eine, die mir sehr am Herzen liegt, denn sie handelt von einem Thema, dass nur für Leute geeignet ist, die das gleiche Problem haben:

Essen bzw. das eigene Spiegelbild und mit seinen Emotionen klarkommen.

Das hier soll weder Esstörungen proklamieren noch wie das Tagebuch einer Depressiven wirken!

Im Gegenteil, es ist einfach nur dafür da Leuten, die auch so denken zu zeigen, dass es auch Menschen gibt, die genauso denken. 

Nicht alles ist traurig, manches mit Sicherheit witzig geschrieben, aber sicher nicht interessant für Jedermann. 

 

3.12.08 17:59, kommentieren