Happy ever after

Melancholie

 

 

 

 

Ich schaue hinaus aus dem Fenster.

Der Himmel ist grau, alles ist nebelig und beschlagen. 

Ich öffne das Fenster und atme ein. Tief.

Es riecht nach Regen.

Ich schließe die Augen und lausche den einzelnen Tropfen. 

 Eigentlich liebe ich den Regen, aber nicht so.

Nicht hier. 

Deswegen schließe ich die Augen.

Ich sitze nicht hier auf dem Balkon. 

Ich sitze unter einem Baum, der seine Äste weit ausspannt.

Seine Äste, die grüne Blätter tragen. 

Der Regen prasselt auch hier.

Aber er ist nicht kalt und hart, spitz wie Nadeln und traurig. 

Es ist ein Regen wie Musik, die Tropfen kühlen deine Haut und streicheln dich.

Es ist Sommerregen. 

Ich spüre die Wärme. 

Jemand lacht. 

Bin das ich?

Ja, ich bin wieder klein. 

Ich sitze unter diesem Baum, weil ich Feen und Elfen suche, weil ich noch an sie glaube und so sehr hoffe eine zu sehen. 

Weil ich ein Kind bin und noch glauben kann.

Ein Windhauch in der Realität schmettert gegen das Fenster.

Ich reiße die Augen auf, erschrocken. 

Und da ist sie wieder die graue Wirklichkeit. 

Ich kneife mir in meine Speckfalten und erinnere mich daran, dass ich kein Kind mehr bin. 

Nein, ich werde Erwachsen. 

Elfen und Feen gibt es nicht mehr, aber es gibt Erwartungen. 

Ich muss soviel tun, soviel erledigen, dass es mich lähmt.

Keine Spur von Tatendrang. 

Aber egal wie groß er ist, der Druck...

...Eins kann mir hier keiner nehmen:

und das ist dieser Baum, den ich sehe in meinem Dornröschenschlaf, in diesen kurzen Tagträumen die einem erlauben zu glauben. 

Dieser Text ist unheimlich kitschig und trivial. 

Man sollte darüber lachen. 

Aber ich würde gerne in dieser Welt unter diesem Baum leben. 

Und irgendwann werde ich es schaffen. 

Ich öffne die Augen und die Sonne geht auf und sagt:

Es ist wieder Sommer. 

16.2.09 21:24, kommentieren

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Und jetzt?

Es wird wieder alles zu viel.

Viel zu viel.

Eigentlich sollte ich dringender als dringend mit meiner Facharbeit anfangen, Vokabeln lernen und überhaupt wieder mehr für die Schule tun, aber ich kann mich einfach nicht dazu durchringen. 

Nichts bekomme ich hin.

Alles ist zu groß, zu viel.

Dabei müsste ich nur einmal anfangen.

Aber nein.

Ich liege rum.

Verdränge.

Isoliere mich.

Ich will nicht mehr. 

Nur noch weg. 

Weg. Weg. Weg.

Ferien und mich dann nur im Fitnessstudio aufhalten, meinen Körper zu Tode schinden.

Und dann will ich Sommer.

Wärme, Stolz und lachen. 

Schlankheit.

Kompetenz.

Alles voller Farben.

Und was habe ich jetzt?

Grau-schwarz.

Regen.

Nichts geht.

Lethargie. 

Keine Freude. An nichts. 

Ich muss mich um meine Zukunft kümmern, aber wenn meine Hand zum Stift greift, dann nicht um Hausaufgaben oder Facharbeit voranzutreiben sondern um über Gewicht zu schreiben, über essen. 

Was soll das denn?

Ich will wieder leben. 

Ich will wieder ES und Schule kombinieren. 

Wo sind die Zeiten in denen ich im Fitnesstudio lernte?

Ich bekomme meinen Hintern einfach nicht hoch.

Ich versuche alles zu verdrängen, denke, ein wenig Zeit wird wohl bleiben. 

Nein, wird sie nicht. 

Tempus fugit. 

Alles bewegt sich.

Nur ich, ich bleibe stehen. 

2 Kommentare 9.2.09 18:45, kommentieren

Eiskalt

"Du bist manchmal so eiskalt!", sagt er und sieht mich enttäuscht an.

Eiskalt.

Es hallt in meinem Kopf nach.

Ich will protesiteren, aber ich merke...

...er hat einfach Recht. 

 Ich benehme mich nach außen wirklich häufig so.

Ich weise Leute ab.

So wie ihn.

Dabei mag ich ihn, er ist so offen, so lieb, er ist alles was ich früher war. 

Er hat den Glauben, nach dem ich mich sehne.

Ich mag ihn, aber anders als er mich.

Ich weise ihn ab.

Er soll ja nicht erfrieren, oder?

Ich weine fast, aber niemand merkt es. 

Er hat sich am Ende doch sehr lieb verabschiedet und doch wieder gemeldet, aber es hallte den ganzen Abend in meinem Kopf wieder:

Eiskalt.

Dabei will ich doch nur niemandem mehr weh tun.

1 Kommentar 6.2.09 21:03, kommentieren

Neuanfang- mal wieder-.-

Wieso, wieso, wieso, wieso?

Argh.

Immer, IMMER, wenn ich grade auf nem guten Dampfer bin kommt mindestens eine Fresswoche.

Ja, Fresswoche.

Und das erkämpfteGewicht geht- puff- in der Skala nach oben.

Scheiße. 

Und man muss wieder von vorne anfangen, immer wieder. 

Ich bin es so leid. 

Ich sehne mich so sehr nach der Disziplin durchzuhalten, "stolz" sein zu können.

Ich meine, manchmal da ist es mir sogar fast egal, das ich fett werde.

Ich fühle einfach nichts außer diesen süßen Geschmack auf meiner Zunge.

Ich atme die Luft draußen tief ein, genieße den klaren Himmel, kümmere mich um meine Hunde. 

Geheilt?

 

Nein, denn dann kommt der Fall.

Ich will mich nicht mit anderen Leuten treffen, ich fühle mich zu fett.

Nein, ich möchte nicht nach draußem gehen, nein ich will weder in die Schule noch zum Sport. 

Ich fühle mich dann so nutzlos.

Ana-Phasen bieten mir so viel mehr Halt, warum also kann ich sie nicht weiter verfolgen?

Na ja, ich versuche es jetzt wieder in den Griff zu kriegen bevor ich ganz zur Kugel werde.

Liebe grüße vom rollenden Mädchen. 

1 Kommentar 30.1.09 18:10, kommentieren

Nervenzusammenbruch

"Immer schön lächeln und winken." Ich mag die Pinguine aus Madagaskar, sie vertreten mein Motto.

"Immer schön lächeln und winken"

Egal wie schlecht es dir geht. 

Dieses eine Lächeln das kannst du doch wohl noch raushauen.

Heute ging es nicht mehr. 

Sportunterricht ist sowieso schon eine Tortur für mich.

Nicht, weil ich unsportlich wäre, aber weil ich mit den Leuten in einem Kurs bin bei denen ich immer fürchte einen Fehler zu machen. 

Immer bin ich angespannt, aber ich lächele.

Wenn man dann noch wenig isst und sich fragt, wie man die Energie für den Hürdenlauf aufbringen soll, dann kann man schon mal in Bedrängnis kommen. 

 

Normalerweise lächele ich. Aber heute ging es nicht mehr.

Ganz plötzlich fiel mein ganzes Kartenhaus zusammen. 

Judith hat gefragt, was mit mir los sei. 

Mir kamen dir Tränen, ich rannte in die Kabine und weinte. 

Ich konnte nicht aufhören. 

Judith hat auf mich eingeredet, mein Sportlehrer hat mir gesagt ich könne nach Hause gehen, aber er wolle gerne am Donnerstag ein Vier-augen- gespräch führen.

Und ich konnte noch immer nicht aufhören zu weinen. 

Auf den Weg nicht, auch zuhause nicht.

Es hat lange gedauert bis meine Mutter mich beruhigen konnte.

Ich weiß nicht mal, was es ausgelöst hat.

Ich weiß nur, dass ich mich nutzlos, schwach und fett fühle.

Ich habe Angst meine Kontrolle zu verlieren.

Ich konnte immer lächeln, aber heute nicht.  

Ich glaube, es waren Binge und Waage, die mich heute so aufgewühlt haben. 

Langsam kann ich es nicht mehr abstreiten:

Ich bin krank.

Vielleicht darf ich heute weinen. 

2 Kommentare 19.1.09 18:16, kommentieren

Neue Verhältnisse

Ich habe es geahnt, Pinguinkueken hat es prophzeit und nun ist es eingetreten.

Es passierte nur etwas schneller, als ich es erwartet hätte.

Und es verlief anders, als ich es erwartet hätte. 

Wir haben die Verhältnisse jetzt geklärt, meine Mutter und ich. 

Sie weinte gestern Abend, sagte sie müsse mich sprechen.

Ich wusste sofort worum es gehen würde.

Natürlich.

Dennoch war ich seltsam ruhig, vielleicht weil es einfach klar war. 

Sie machte mir keine Vorwürfe. 

Die machte ich mir selber, weil sie so weinte. 

Weil sie sagte, sie habe Angst um mich und müsse jetzt mit mir darüber reden. 

Ich habe die ES nicht weiter abgestritten, wenn ich auch versuchte sie abzumildern. 

Ich habe ihr versprochen mit der Therapeutin darüber zu reden. 

Meine Mutter möchte in eine Selbsthilfegruppe gehen. 

Sie sagt sie wünsche sich so sehr, dass ich etwas ändere. 

Sie werde mich nicht zum essen zwingen. 

Aber wir einigten uns auf eine Mahlzeit, die wir gemeinsam eingehen und dass ich versuche auf mein Gewicht zu achten.

Sie erlaubt mir kleine Portionen und kalorienarme Nahrung, wenn ich wenigstens etwas esse. 

Ich habe ihr schon ein wesentlich höheres Zielgewicht genannt, als das eigentliche. Auf 45 könnte ich mich handeln lassen, aber nicht auf mehr. 

Ich weiß nicht, ob ich diesen Handel einhalten kann. 

Zur Zeit brauche ich diese ES um nicht in das Loch der Depressionen zu fallen. 

Durch die ES stehe ich morgens auf und bewege mich. 

Durch die ES weiß ich noch, dass ich lebe. 

Durch die ES hat alles mehr Sinn. 

Ich habe ein Ziel, eine Bestimmung. 

Das Chaos in meinem Kopf hat einen Fixpunkt. 

Sie sagt, es sei eigentlich kein Wunder, dass es mir so geht. 

Depressionen sind in unserer Familie vererbar und sie hatte 7 Jahre Bulimie. 

Ist das nicht unglaublich?

Wie kaputt eine ganze Sippe sein kann?

Ich werde versuchen meine Mutter schonender zu behandeln und trotzdem weiter Gewicht zu verlieren. 

Vorerst.

Ich werde mit dieser Psychologin reden, aber zunehmen, das geht erst einmal nicht. 

Auch wenn es mir Leid tut. 

Sehr sogar. 

Aber eines Tages, wenn ich wieder weiß, was es heißt normal zu leben, wenn mein Kopf mich nicht mehr erdrückt, dann wird alles wieder gut. 

Dann wenn ich Freundschaft und Liebe wieder lieben kann, statt sie als belastend zu empfinden. 

Nur nicht jetzt. 

Es tut mir Leid. 

 

2 Kommentare 15.1.09 19:00, kommentieren

Ertappt

Meine Mutter ist wieder fürsorglich.

Nicht, dass sie das sonst nicht wäre, aber sie ist es wieder auf diese unangenehme verständnisvolle, bedrängende und irgendwie klebrige Art. 

Wir waren mit den Hunden raus und dann sagt sie plötzlich:

"Kann es sein, dass du richtig schlimme Depressionen hast?"

Ich weiß nicht mehr genau, was ich geantwortet habe, aber ich habe abgebloggt. 

"Hast du Suizidgedanken?"

Ich muss zugeben, kurze Zeit musste ich nachdenken, aber antwortete dann ehrlich mit "nein"

Ich könnte mich nicht umbringen, auch wenn ich gerne aus dieser Welt verschwinden würde. 

Ich fühle mich deplaziert, aber ich wäre gerne woanders und nicht weg. 

Meine Mutter ist sehr besorgt, man hat es ihr heute Mittag angesehen. 

Ich habe Schuldgefühlge gehabt, aber jetzt ist mir wieder alles egal. 

Und wenn ich Emotionen zu diesem Thema finde und suche, dann stelle ich nur fest, dass es Ärger ist. 

Was soll ich denn sagen, Mama, hm?

"Kann ich dir helfen?", fragst du.

Soll ich dir sagen, dass du zu kochen aufhören sollst?

Ich kann dir nicht sagen, warum es mir generell schlecht geht, aber ich kann dir sagen, dass dein Gemäste es schlimmer macht. 

Aber das  geht nicht, denn du kannst ja eigentlich nichts dafür. 

Und würde ich es dir sagen, dann würdest du es mir einfach wegnehmen mein kleines Geheimnis, aus reiner Führsorge. 

Es tut weh, wenn die eigene Mutter, die man eigentlich so sehr liebt plötzlich zur Feindin wird. 

Aber mir wäre es lieber alleine zu wohnen, denn ich weiß, dass sich jetzt etwas verändern wird, weil diese Frau nicht locker lassen wird.

Wenn es sein muss, dann wird sie auch gegen mich kämpfen, wenn es ihr ihre Fürsorge gebietet.

Und ich werde dagegenhalten müssen. 

Aber ich nehme es ihr nicht übel.

Denn ich liebe diese Frau und hoffe, dass der Tag an dem der Streit ausbricht noch auf sich warten lässt. 

 

10.1.09 23:41, kommentieren